seelenruhig

Mit den Füßen sehen

Sehnlichst wünsche ich mir momentan den Sommer zurück!
Bitte, lieber Wettergott wenigstens bis die Schule wieder anfängt … wir alle haben doch noch nicht genug Sonne getankt um die lange, dunkle Jahreshälfte unbeschadet überstehen zu können.
Wir brauchen doch alle noch eine große Portion Sonne und Luft auf der Haut.
Barfuss gehen gehört unbedingt dazu!
Hier der wunderschöne Text von Cambra Maria Skadé zu diesem Thema.

Er spricht mir aus der Seele.

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Mit den Fuessen sehen

Barfuss gehen, in den Tag hinein, durch noch taunasses Gras,
das kühl zwischen den Zehen entlangzieht. Ein erfrischendes
Grün breitet sich von unten her aus, rankt sich hinauf wie
junger Efeu. Es ist wie gegossen werden, wie Tautrinken,
wie Wasser aufsaugen durch die Haut.
Erde, weich, nachgiebig, zeichnet die Spuren der Füße auf.
Eindrücke wie sich Verwurzeln, wie Fäden nach innen ziehen,
stehen bleiben, auf der Stelle treten, einen guten Stand
ertasten, wie ein Baum oder ein vom Wind angewehter Same
entstehen.

Lehmboden, warm, mit Wasser vermischt, schmatzende Laute
von sich gebend, ist wie Zeitlupe, wie einsinken, wabern,
blubbern, wie graubraunes genüssliches sich Suhlen.
Die Füße gleiten über glatte, mit Algen überzogene Steine im
Wasser. Sie rutschen, schnell, über Wölbungen wegflutschend,
Halt suchend. Zehen, die versuchen, sich um die Steine zu
krallen. Es ist wie Fallen oder Fließen, wie ein Balanceakt auf
einem Hochseil, wie auf Zehenspitzen gehen, auf rohen Eiern
oder wie auf blaugrüner kühler Seide.
Spitze Steine auf der Kiesbank, runde Kiesel, sind wie eine
Verlangsamung,wie ein Sog für alle Sinne, nach unten und
oben gleichzeitig, wie Versteinern, wie Festhalten.
Die Wahrnehmung, der Geist ist in die Füße gewandert, geht
über Wurzeln, durch Wasser und Sand, über weiche Moose.
Es ist wie grüne Samtkissen, Elfenbetten, wie Tanzen auf
Wolken oder Gewiegtwerden.

Trockene Tannennadeln im Wald prickeln leicht an den Fuß-
sohlen, wie sich einlassen müssen, wie vorsichtig sein und es
dann genießen, wie kurz vor dem Eintauchen in kaltes Wasser,
wie sich Wundern und Schmunzeln.

Text von Cambra Maria Skadé „Töchter der Mondin“

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Foto: „Türstopper“ im Feriendomizil in Aix en Provence

(Eintrag vom 18.08.2006)