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Anouar Brahem – Le Voyage De Sahar

Klangpoesie – Balsam für Ohren und Seele

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azz oder arabische Kunstmusik? Wenn der tunesische Oud-Virtuose Anouar Brahem zu seiner Kurzhalslaute greift, dann entzieht sich sein Spiel jeglicher begrifflichen Zuordnung. Außerdem sucht Brahem stets die Begegnung mit Musikern, die, wie er selbst, den Horizont der maghrebinischen Kultur überschreiten. Er hat mit dem norwegischen Saxofonisten Jan Garbarek zusammengearbeitet oder mit dem Bassisten Dave Holland und dem Holzbläser John Surman aus Großbritannien. Alle können, wie Brahem auch, als Klangpoeten gelten. Das trifft auch auf die beiden Musiker zu, mit denen sich Brahem für Le Voyage de Sahar zusammengetan hat. Zum einen ist das der französische Akkordeonist Jean-Louis Matinier, der in vielen grenzüberschreitenden Projekten mitwirkt, etwa bei Renaud Garcia-Fons. Zum anderen ist das der ebenfalls aus Frankreich stammende Pianist François Coutourier.

Dem Trio gelingt es hier, mit einer höchst ungewöhnlichen Kombination von Instrumenten Klangbilder zu entwerfen, die wie eine Fata Morgana am Scheidepunkt zwischen Morgenland und Abendland wirken. Sanft und entspannt, ja fast meditativ gibt Brahem in seinen Kompositionen die Melodien vor, ein komplexes Spiel aus tausendundeiner Möglichkeiten. Seine beiden Mitstreiter setzen dazu ihre eigenen Konturen, die einzig der Inspiration und Improvisation verhaftet scheinen: fernab jeglicher nostalgischer Orientalismen. Thematisch unternimmt Brahem eine Reise von der Sahara bis hinauf in den arabisch geprägten Süden Spaniens, wo er in der ehemaligen Hauptstadt des Kalifats eintrifft, so besagt es das Stück „Córdoba“. All das klingt elegisch und nach schlichter Eleganz. Bei solcher feinsinnigen Lyrik, wo man auch nach wiederholtem Hören immer neue Facetten entdeckt, lässt es sich trefflich träumen. amazon