Nachlese zum gestrigen Eintrag…

Das Zitat von Mark Twain im gestrigen Blogeintrag beschäftigt mich schon eine ganze Weile – es ist so allgemein formuliert, dass es sehr viel Interpretationsspielraum bietet und jede(r) mit dem Hintergrund seines ganz persönlichen Lebenskontextes darüber nachdenkt. Ich hätte wohl vor 10 Jahren andere Gedankengänge dazu gehabt als heute und in 10 Jahren werden meine Antworten wieder anders ausfallen– es lohnt sich auf jeden Fall, sich gewissen Fragen immer wieder erneut zu stellen.

Wenn ich mir vorstelle, dass ich in zwanzig Jahren mehr enttäuscht bin über die Dinge, die ich nicht getan habe, als über die, die mein gelebtes Leben ausmachen, denke ich aber doch, dass ich etwas falsch gemacht habe. Achtsamer Umgang mit dem Augenblick, mit der Gegenwart, mit der Person, die mir gerade gegenüber steht – Ehrlichkeit mit mir selbst, Berücksichtigung meiner Wünsche, Sehnsüchte, Talente – der Versuch, sie in die Wirklichkeit umzusetzen – oder doch zumindest einen Teil davon, ist sicher ein guter Ansatz für ein Leben, mit dem man dann im Rückblick zufrieden sein kann. Vielleicht gehört auch dazu, alle Seiten seines Wesens zu akzeptieren – es gibt helle und dunkle Ecken in jedem Menschen und wie sagt Christian Morgenstern so treffend: „Jeder muss sich selbst austrinken wie einen Kelch.“

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Steine mit (Jahres-?)Ringen

Manche erinnern sich vielleicht noch an die Fragen, die ich seit 15 Jahren in meiner Brieftasche mit mir herumtrage – es lohnt sich immer wieder, sie sich durch den Kopf gehen zu lassen:

1. Wie bin ich an diese Stelle meines Lebens gekommen?
2. Stimmt mein jetziges Leben mit dem überein, was ich ursprünglich einmal wollte?
3. Was müsste ich heute tun oder ändern, um das erweiterte oder veränderte Ziel später auf anderem Wege zu erreichen?
4. Welchen Preis muss ich zahlen, wenn ich meine augenblickliche Lebensweise unverändert fortsetze?
5. Was brauche ich für die nächsten fünf bis zehn Jahre?
6. Welche Einsicht ist für mich am schmerzlichsten zu ertragen? – Was würde ich heute anders machen und wie finde ich Frieden für unwiederbringlich Versäumtes?

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Es hat so gespiegelt … dennoch ein Bild aus der Fotoausstellung von Werner Stuhler – Cavazzen – Lindau

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