seelenruhig

Dienst am Ostersonntag – Bericht aus dem Ehrenamt

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Bei strahlendem Sonnenschein radle ich heute ins Hospiz Haus Brög zum Engel. Ich bin eingetragen zum ehrenamtlichen Nachmittagsdienst. Man weiß vorher nicht, was einen erwartet – angekommen spreche ich deshalb, wie immer, zuerst mit der Dienst habenden Schwester um zu hören wie der Stand der Dinge ist. Das ist eine Routine, die sich als gut erwiesen hat: die Schwester hat den Überblick, weiß bestens Bescheid über jeden Gast und seine Bedürfnisse und kann so der ehrenamtlichen Hilfe sagen, wo sie am dringendsten gebraucht wird.

Heute, an Ostern haben die Gäste im Haus viel Besuch von Angehörigen. Deshalb brauchen mich die Gäste nicht direkt bei sich – meine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass „drumrum“ alles klappt: den Angehörigen die Türe öffnen, sie ins Zimmer des Gastes begleiten, sie mit Kaffee, Tee und Kuchen verwöhnen. Heute gibt es natürlich eine besonders große Auswahl an Kuchen, gebackenem Osterlamm und Schokolade. Wir Ehrenamtlichen achten darauf, dass das Tablett, das wir ins Gastzimmer bringen ansprechend aussieht, darauf ein hübsches, sauberes Deckchen liegt, vielleicht aus dem Garten eine Blume dazu.

So! Alle Besucher sind versorgt. Ich mache einen kleinen Rundgang durchs Haus, kippe im Meditationsraum die Fenster zum Lüften, wechsle eine Tischdecke, eine andere muss nur ausgeschüttelt werden. Donnerstags bekommen wir immer die Blumenlieferung und deshalb ist es nötig, nach den Blumen zu sehen; ein paar Vasen neu zu arrangieren. Die Spülmaschine ist eben fertig und ich räume das saubere Geschirr in die Schränke. Nun hänge ich noch frische Geschirr- und Handtücher auf. Ich bringe die leeren Flaschen in den Keller und hole von unten Saft und Mineralwasser hoch in die Küche.

Neben den schönen Osterstrauß im Eingangsbereich stelle ich eine Duftlampe. Bald riecht es überall angenehm nach Lavendel.

Es ist ruhig im Haus. Frau N. sitzt oben bei ihrem Mann am Bett. Es geht ihm sehr schlecht. Sie liest nicht, sie strickt nicht, sie sitzt nur da und hält seine Hand. Als ich ihr eine Tasse Kaffee und Apfelkuchen bringe, freut sie sich sehr.

Auch im Zimmer von Frau F. ist es still. Sie hat einen Gehirntumor und liegt im Koma. Sie hat heute bereits zweimal Besuch bekommen.

Bei Frau M. in Zimmer eins, einer alten Lindauerin, geben sich die Besucher regelrecht die Klinke in die Hand. Hoffentlich wird es ihr nicht zu viel?! Nein, sie genießt den Trubel, sitzt sogar am Tisch in ihrem Zimmer. Als ich in der Küche Tee mache, höre ich angeregtes Geplauder und viel Lachen bei ihr nebenan.

Die Stimmung ist ruhig, das Haus aufgeräumt und sauber und ich nehme mir einfach mal die Zeit, mich im Wohnzimmer mit dem dicken Album an den Tisch zu setzen. Verstirbt ein Gast, wird in dieses Album eingetragen, wie lange er bei uns im Haus war, wie alt er geworden ist und die Angehörigen können diese, seine Seite des Albums, nach ihrem Geschmack gestalten. Natürlich blättere ich immer erstmal zu der Seite meines geliebten Onkels, der vor fast vier Jahren im Haus Brög gestorben ist. Heute bin ich wohl etwas dünnhäutig … manche Einträge und sehr persönlichen Bemerkungen rühren mich zutiefst.
Den Schmerz über den Verlust des geliebten Menschen muss jeder durchleben, er kann ihm nicht abgenommen werden– getröstet sind die Hinterbliebenen aber durch die Art und Weise, wie ihre lieben Angehörigen die letzten Tage, Wochen oder auch Monate hier im Haus Brög zum Engel verbringen konnten. Der Gast mit seinen Wünschen und Bedürfnissen steht hier im Mittelpunkt, er wird in seiner ganzen Persönlichkeit, seiner Lebenseinstellung und seiner Würde bestätigt und angenommen. Er erfährt hier Leben bis zuletzt und ein Sterben in Würde. Tod und Sterben werden hier wieder ins Leben integriert. Der Tod wird als natürlicher Vorgang betrachtet – das Leben wird weder verlängert noch verkürzt. Die Angehörigen werden in die Fürsorge mit einbezogen.

Was bleibt noch zu tun? Der Trockner ist fertig und ich lege die noch warmen Handtücher zusammen und räume sie im Schrank auf.

Nun verabschiede ich mich und setze mich auf mein Fahrrad, denn ich bin bei meinen Eltern zum Osteressen eingeladen. Wie schön und welches Glück, gleich mit meiner Familie in fröhlicher Runde um den Terrassentisch zu sitzen!

Die ehrenamtliche Arbeit im Haus Brög macht mich wacher für den Augenblick, lenkt meinen Blick immer wieder ins Hier und Jetzt.

Nun zeige ich Euch noch ein paar Bilder von unserem schönen Hospizgarten
(aufgenommen im Juli/2006 anlässlich des Sommerfestes)

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na ja, was heißt Garten – es ist schon eher ein verwunschener Park

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hier der Blick vom Kräutergarten zur Terrasse

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seelenruhig an einem besonders schönen, verwunschenen Plätzchen – hier sitzen manche unserer Gäste sehr gerne und genießen die Frühlingssonne

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Blick von ganz oben runter in den Garten – zum Sommerfest wird dort immer ein Zelt aufgebaut

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