seelenruhig

Herbstzeitlosen

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Herbstzeitlosen

Für uns, denen der Pfosten der Tür verbrannt ist,

an dem die Jahre der Kindheit

Zentimeter für Zentimeter

eingetragen waren.

Die wir keinen Baum

in unseren Garten pflanzten,

um den Stuhl

in seinen wachsenden Schatten zu stellen.

Die wir am Hügel niedersetzen

als seien wir zu Hirten bestellt

der Wolkenschafe, die auf der blauen

Weide über den Ulmen dahinziehn.

Für uns, die stets unterwegs sind

– lebenslängliche Reise,

wie zwischen Planeten –

nach einem neuen Beginn.

Für uns

stehen die Herbstzeitlosen auf

in den braunen Wiesen des Sommers,

und der Wald füllt sich

mit Brombeeren und Hagebutten –

Damit wir in den Spiegel sehen

und es lernen

unser Gesicht zu lesen,

in dem die Ankunft

sich langsam entblößt.

Hilde Domin (1909 – 2006)

Fotos : kottische Alpen/Piemont – Valle Maira 08/2010

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