Tanz ohne Verb

Um Missverständnissen vorzubeugen setze ich hier oben nochmals den Quellennachweis:
Text mit freundlicher Genehmigung der Lindauerin Karin Lang. Er stammt aus ihrem herrlichen Büchlein „Tapir Ich Nicht“
Fotos: seelenruhig

Neulich durfte ich an einer Bauchtanz – Stunde teilnehmen.
Hat sich eigentlich schon einmal jemand Gedanken darüber gemacht, dass es für diese Tätigkeit kein eigenständiges Verb gibt?
Ich tanze Bauch klingt nicht gut. Und : Ich bauchtanze … Nicht wirklich.
Dabei finde ich, dass diese Art der Bewegung durchaus ein eigenes Verb verdient hätte!


Denn, obschon ich einen kleinen Bauch habe – mit ihm zu tanzen ist mir leider nicht in die Wiege gelegt. Ich gebe zu, ich hatte mir das leichter vorgestellt.
Ein laszives Vorschieben meines Beckens bekomme ich gerade noch so hin, aber soll ich dann auch noch einen anmutigen Schritt nach rechts oder links machen, beginnt für mich schon die Überforderung.
Weil der Rücken auch mit muss. Und mein Rücken ist alles andere als beweglich. Man könnte sagen, ich habe Rückgrat, lasse mich nicht so leicht verbiegen. An sich etwas, auf das stolz zu sein sich durchaus lohnt. Beim Bauchtanzen allerdings wirkt sich so ein Rückgrat eher negativ aus.
Ich hoppelte also immer taktversetzt tapfer mit den anderen Damen mit, sah alles andere als orientalisch verführerisch aus – eher wie eine Sklavin, die man auf den Markt schleppt, um sie dann an eine ungewisse und sicherlich nicht freudvolle Zukunft zu verhökern.


Dann kam die Sache mit den Hormonen.
Knappe zwei Minuten sollten wir zu mitreißendem Sound Bewegungen machen, die uns eben jene Hormone eingeben sollten.
Mist, ich hatte Gymnastikschuhe eingepackt, aber meine Hormone lagen wohl irgendwo Zuhause herum. Statt dessen meldeten sich eher meine Schmerzrezeptoren. Ich beschloss, den Unterkörper kurzfristig in die Pause zu schicken und es mit „den Schlangen“ zu probieren.
Es gibt nämlich Tänzerinnen, die können ihre Arme so fließend bewegen, dass diese Gliedmaßen an Schlangen erinnern. Das sieht toll aus, das hat was.
Aber – das muss man auch können.
Meine Arme wurden nicht zu Schlangen. Gar kein Tier wollte mir gelingen. Nicht einmal Elefantenrüssel bekam ich hin.

Hätte man mich bis zum Hals in Wasser gestellt, hätte ich allerdings die sehr gute Pantomime eines Ertrinkenden abgegeben der verzweifelt mit den Armen rudert, um nicht abzusaufen … Kurz dachte ich daran, auch gleich noch um Hilfe zu rufen. Doch dann hielt ich es für angeraten, keine allzu große Aufmerksamkeit auf mein nervöses Zucken zu lenken. Um eine Erfahrung reicher, schlich ich mich nach diesem Warm up zu einem Stuhl, der sehr hart war. Es dauerte eine Weile, bis ich eine Stellung gefunden hatte, die meinem schmerzenden Rücken zuträglich war.

Dann aber bestaunte ich den Tanz der Kursteilnehmerinnen. Wie machten die das nur, dass sie sich alles merken konnten? Ich hätte schon Probleme gehabt, rechts von links zu unterscheiden. Am richtigen Hüftstoß, gefolgt von der Maya – die bei mir wahrscheinlich wie der behäbige Flug der gleichnamigen, wenn auch nicht gleich buchstabierten Biene ausgesehen hätte – wäre ich kläglich gescheitert. Zum Schluss der Stunde wurde noch etwas Gymnastik auf dem Boden gemacht. Daran konnte ich mich dann wieder frohen Mutes beteiligen, denn liegen konnte ich schon immer gut. Während ich die Wirbel meiner Säule langsam wieder in die richtige Position turnte, befand ich für mich im Stillen, dass mein Bauch als Tanzpartner nicht taugt. Vielleicht, eines Tages, wenn zu den Figuren mit den klingenden Namen der winkende Ertrinkende kommt, dann …
ja, dann tanze auch ich Bauch. Versprochen. Und ein Verb! Das würde ich dann auch gleich noch einfordern.

Text mit freundlicher Genehmigung der Lindauerin Karin Lang.  Ee stammt aus ihrem herrlichen Büchlein „Tapir Ich Nicht“

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